Landeskunde Ägypten

Geographie – Menschen – Geschichte

Ägypten liegt im Nordosten Afrikas. Die zu dem Staatsterritorium gehörige Halbinsel Sinai wird dagegen zu Asien gezählt. Das ägyptische Staatsterritorium grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Osten an das Rote Meer, Israel und den Gazastreifen, im Westen an Lybien und im Süden an den Sudan.

Auf den 1001449 Quadratkilometern Landesfläche leben rund 72.000.000 Einwohner. 42% der Gesamtbevölkerung ist in den Städten angesiedelt. Vorherrschende Siedlungsgebiete sind außerdem das Niltal und das Nildelta, die touristischen Zentren der Küstenregionen und die Region am Suezkanal. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo wohnen rund 7,7 Millionen Einwohner. Die Gesamtbevölkerung besteht zu 97% aus Ägyptern. Außerdem sind im südlichen Landesteil Nubier ansässig. In der Oase Siwa lebt noch eine geringe Anzahl von Berbern. Die Wüstengebiete sind Lebensraum von arabisch- und Bedscha-sprachigen Nomaden. Ägypten ist entsprechend seiner Verfassung ein islamischer Staat. Rund 90% seiner Gesamtbevölkerung sind sunnitische Muslime.

Klimatisch kennzeichnen Ägypten sehr große Temperaturschwankungen. Von März bis Juni weht ein starker Sand- und Staubwind, genannt Chamsin, aus südlicher Richtung.
Die große Trockenheit und Niederschlagsarmut ließen den, das Land von Nord nach Süd rund 1000 Kilometer durchziehenden Nil zur Lebensader des Landes werden.

Zwischen dem Nasserstausee im Süden des Landes und Kairo besteht das Niltal als eine fruchtbare Flussoase, die an manchen Stellen eine Breite bis zu 25 Kilometern erreicht. Nördlich von Kairo bilden die zwei Hauptmündungsarme des Nil eine stark bewirtschaftete Deltalandschaft, deren Wert durch abgelagerten Nilschlamm sowie Kanäle,
Bewässerungssysteme und kleine Mündungsarme bestimmt wird.

Die Wüstenlandschaft der westlich des Nilufers gelegenen Wüste (Lybische Wüste) nimmt rund zwei Drittel der gesamten ägyptischen Landesfläche ein.
Sie wird unterbrochen von den Oasen Bahariyya, Charga, Dachla, Farafra und Siwa.

Die östlich des Nilufers befindliche Arabische Wüste wird von stark zerklüfteten Granit- und Basaltformen beherrscht, deren Höhe teilweise über 2000 Meter reicht.
Der höchste Berg Ägyptens befindet sich mit dem 2637 Meter hohen Jabel Katrine (Katharinenberg) im Süden des Landes auf der Sinaihalbinsel, die vom Golf von
Aqala und vom Golf von Suez umgeben wird.

Die ägyptische Mittelmeerküste unterscheidet sich landschaftlich stark von der Küste des Roten Meeres. Während letztere in ihrer Schroffheit und Felsigkeit zahlreiche
Korallenriffe aufweist, kennzeichnet erste eine flache Dünenlandschaft. Beide Meere verbindet der 161 Meter lange Suezkanal, der eine wichtige Verkehrs- und Wirtschaftsader darstellt.

Aufgrund der Trockenheit weist Ägypten eine artenarme Flora auf. Die Wüstengebiete sind vereinzelt mit Akazien, Dornsträuchern und Tamarisken bestanden.
Das Nilufer zieren Johannisbrotbäume, Dattelpalmen, Nilakazien und Maulbeerfeigenbäume. Typische Pflanzenvertreter des Nildelta sind Bambusrohr,
Schilf und Lotusbäume. Hier sind auch zahlreiche Wasservögel und in den Wintermonaten, Zugvögel aus europäischen Breiten zu beobachten.

Ägypten blickt auf eine weit in die Vergangenheit reichende Geschichte zurück, die seine Kulltur und Gesellschaft prägte. Seine Hochkultur setzte um 3000 v. Chr. unter dem Pharao Menes mit der Vereinigung von Ober- und Unterägypten und der Schaffung des ägyptischen Königreichs ein. Staat, Gesellschaft, Kunst und Religion formten sich im so genannten Alten Reich (2707 bis 2216 v. Chr.) aus. In diesem Zeitraum wurden auch die legendäre Stufenpyramide in Saqqara und die Pyramiden von Gizeh und Dahschur errichtet. Den Zusammenbruch des Alten Reiches begleiteten Hungersnot, Armut, soziale Unruhen und der Zerfall in Teilreiche. Eine erneute Blüte setzte erst ab der Zeit um 2040 v. Chr. nach der Wiedervereinigung der Teilreiche im Mittleren Reich ein. Durch die Eroberung Syriens und Nubiens in der Zeit des Neuen Reiches (um 1552 bis 1070 v. Chr.) entwickelte sich Ägypten zur Großmacht. Dem folgten internationale Auseinandersetzungen, so z.B. die Rückeroberungen ehemals syrischer Gebiete durch Syrien.

Unter Ramses IV.-XI. verfiel das Reich endgültig. Nach mehreren Eroberungen (z.B. der Perser, der Nubier, von Alexander dem Großen) wurde Ägypten 30 v. Chr. römische
Provinz und fiel 395 an Byzanz. Mit der Eroberung durch die Araber in den Jahren 640/41 gehörte Ägypten zum Islamischen Reich. In der Zeit von 1250 bis 1517 setzte
unter der Herrschaft der Mamluken-Sultane eine wirtschaftliche Blüte auf ägyptischen Gebiet ein, die jedoch durch innerdynastische Kämpfe beeinträchtigt wurde. 1805 übernahm Mohammed Ali nach Verdrängung des türkischen Statthalters die Macht. Unter ihm wurde die Macht der Mamluken gebrochen. Ziel seiner Nachfolger war die
Modernisierung und Industrialisierung Ägyptens nach europäischen Vorbild, dessen Ergebnis eine totale internationale Verschuldung war.

Die Überwachung der ägyptischen Staatsfinanzen übernahmen schließlich ab 1875 England und Frankreich, wogegen sich nationalistische Offiziere unter Ahmed Arabi erhoben. Ergebnis war die ägyptische Niederlage und eine jahrzehntelange Abhängigkeit von Großbritannien (z.B. britische Besatzung von 1882 bis 1936, britisches Protektorat
von 1914 bis 1922, ab 1922 weiter in britischer Abhängigkeit), die erst 1956 mit Verlassen der letzten britischen Truppen des ägyptischen Staatsgebietes endete.