Die Geschichte Ägyptens

Den ältesten ägyptischen Kulturen sesshafter Bauern (ab ungefähr 4000 v. Chr.), die eine Vielzahl von Kleinreichen hervorbrachten, folgte mit der Vereinigung von Ober- und Unterägypten unter dem legendären König Menes um 3000 v. Chr. der Beginn einer über drei Jahrtausende dauernden Ära von 33 Dynastien gottähnlicher Pharaonen. Wobei der inzwischen für die Bezeichnung alle Könige des „Alten Ägyptens“ allgemein übliche Begriff „Pharao“ („Großes Haus“) erst seit 978 v. Chr. eingeführt worden war.

Die altägyptischen Könige (Pharaonen) galten als Söhne des Sonnengottes Re und damit als Nachfolger und Willensvollstrecker der Götter auf Erden und standen unangefochten an der Spitze eines absolutistisch-theokratischen Staatswesens, das ein überaus differenzierten Verwaltungs-und Militärsystem entwickelte. Typisch für die ägyptische Pharaonen-Zeit war die Betonung eines Totenkults, der seine bekanntesten und spektakulärsten Ausformungen in den Pyramidenbauten des „Alten Reiches“ hat. Sowohl das „Mittlere Reich“(etwa 2100 -1700 v. Chr.) als auch das nach einer Zwischenzeit folgende und besonders von Ramses II. geprägte „Neue Reich“ ( 1550-1070 v. Chr.) sind durch den Wechsel von Aufstieg, Zersplitterung staatlicher Macht und Eindringen fremder Völker bestimmt.

In der Spätzeit des Pharonen-Staates wird Ägypten zeitweise von Assyrern und Persern besetzt, die zum Teil auch die ägyptischen Dynasten stellen. Die Perserherrschaft wird 332 v. Chr. durch den Einmarsch Alexander des Großen, der Alexandria gründet und sich zum ägyptischen Herrscher machte, beendet. Nach Alexanders Tod begründete nach Diadochen-Kämpfen 312 v. Chr. der hellenisch-makedonische Satrap Ptolemaios I. die letzte Pharaonen-Dynastie, die mit dem Tod von Kleopatra VII. 30 v. Chr. endete. Roms erstem Imperator Augustus gelang es, Ägypten für das fast den gesamten Mittelmeerraum von Spanien über die Balearen mit Mallorca bis hin zur Levante beherrschende Imperium zu gewinnen. Ägypten blieb unter römischer beziehungsweise seit 395 unter oströmischer Herrschaft bis das christianisierte Land 642 von den Arabern erobert wurde.

Das relativ weit von den arabischen Machtzentren entfernte Land am Nil hatte unter wechselnden Dynastien bald den Status einer faktisch autonomen Provinz im Kalifenreich inne. Insbesondere unter der Herrschaft der Mamlucken (1250-1805) war Ägypten ein nahezu unabhängiger, weitgehend islamisierter Staat, der seit 1517 unter der Oberherrschaft des Osmanischen Reiches stand. Nach einem kurzen napoleonischen Zwischenspiel (1798-1801) setzte sich Muhammad Ali als osmanischer Vizekönig von Ägypten 1805 durch und gründete eine eigene, weitgehend von Istanbul unabhängige Dynastie. Dem erfolgreichen Muhammad Ali, der in den Sudan expandierte, folgten schwächliche Vizekönige beziehungsweise Khediven, die wirtschaftlich und politisch in die Abhängigkeit Großbritanniens gerieten. Großbritannien, das nach der Eröffnung des Suez-Kanals 1869 schrittweise die tatsächliche Macht im Land übernommen hatte, errichtete 1914 ein Protektorat über Ägypten, das formell 1922 mit der Ausrufung der Unabhängigkeit endete, faktisch aber erst nach der Ausrufung der Republik durch Nasser 1953 und mit der Suez-Krise 1956, in deren Folge britische Sonderrechte endgültig abgeschafft wurden, ein Ende hatte.

Das volkreiche Ägypten hat seitdem in der arabischen Welt eine Sonderstellung als eines der wichtigsten Staaten der Region. Insbesondere in Fragen des arabisch-israelischen Dauerkonflikts, bei dem Ägypten sowohl als Kriegspartei als auch als Friedenstifter wichtige Positionen besetzt hatte sowie bei der Thematik der Islamisierung der Gesellschaft kommt Ägypten herausragende Bedeutung zu. Diese Bedeutung ist durch die Ereignisse des „Arabischen Frühlings“ 2011, die zu einer Ablösung des autoritären Mubarak-Regimes geführt haben, noch gefestigt worden.